Laut Paul Ferrini ist jegliche Realität und Wahrheit die Liebe. Laut Sartre ist jegliches Dasein ausschließlich positiv. Folglich muss die Erfahrung der Wahrheit, insofern man das Nicht-sein als unwahr bezeichnet, die Erfahrung der Liebe sein. Und das ist schließlich unser Ziel. Die Frage ist: Wie kann ich dafür sorgen, dass ich etwas anderes als die Wahrheit erfahre? Ist nicht jede Erfahrung eine Erfahrung der Wahrheit?
Nach meiner persönlichen Erfahrung ist die Erfahrung der Schamgefühle nicht negativ: Wenn das Bewusstsein von dem Schamgefühl ein erkennendens Bewusstsein ist, ich also meine Schamgefühle erkannt habe, fühle ich mich gut dabei. Lediglich das ständige unerkannte Wirken, erfahre ich als unerträglich. Ebenso ist es mit der Angst: Sobald es mir gelingt, die Angst zu erkennen und ihr Aufmerksamkeit zu schenken, fühle ich mich gut dabei, selbst, wenn sie bleiben würde. Sie müsse lediglich erkannt bleiben. Dann denke ich mir: von mir aus, gebt mir noch mehr Angst, solange ich sie erkennen kann. Lediglich unerkannte Angst, erfahre ich als unerträglich. Und so ist es schließlich auch mit den Schuldgefühlen: Wenn ich sie erstmal erkannt und ihnen Aufmerksamkeit geschenkt habe, und mir die Schuld vergebe, kann ich sie loslassen. Aber die bloße Erfahrung des erkannten Bewusstseins von Schuldgefühlen selbst, fühlt sich gut an: Ich sage, gebt mir mehr davon, damit ich es erkennen kann. Lediglich unerkannte Schuldgefühle, und die Schuld, die ich mir nicht vergebe, empfinde ich als unerträglich. Schließlich erfahre ich die Erkenntnis selbst als segnend.
Wenn ich von der Erfahrung der Liebe spreche, spreche ich ja vom Bewusstsein von Liebe. Nach meinen Erfahrungen sind alle Bewusstseine positiv, die erkannt sind: Lediglich unerkanntes Bewusstsein fühlt sich negativ an. Da ja jegliche Negativität nur der Freiheit entspringen kann, muss ich auch selbst in meiner Freiheit daran schuld sein, diese Negativität ausgelöst zu haben. Mein Bewusstsein ist jenseits der Welt: die Welt kann nicht einwirken. Ich kann ein Bewusstsein von der Welt haben, nämlich durch Wahrnehmung, und ich habe ein Bewusstsein von mir selbst. Wir gehen davon aus, dass jegliches Bewusstsein, Bewusstsein von etwas ist. Deshalb kann man das Bewusstsein nicht direkt beeinflussen, da man als Gegenstand, der das Bewusstsein beeinflusst, ein Ding in diesem Bewusstsein setzen würde. Dann würde das Bewusstsein aber aus Gegenständen bestehen. Da das nicht ist, sind diese Bewusstseine nicht durch Beeinflussung entstanden, sondern ich habe sie durch setzendes Bewusstsein gesetzt. Es kann deshalb nur in meiner Verantwortung liegen, ob ich die Positivität oder die Negativität erfahre.
Wir kommen zur Kernfrage zurück: "Wie ist es möglich, etwas zu erfahren, was nicht die Wahrheit ist?" "Ich kann ja einen bestimmten Aspekt meines Seins nur dann "nicht sehen" wollen, wenn ich über den Aspekt, den ich nicht sehen will, genau im Bilde bin. Dass bedeutet, dass ich ihn in meinem Sein anzeigen muss, um mich von ihm abwenden zu können; mehr noch, ich muss ständig daran denken, um aufzupassen, dass ich nicht daran denke. Darunter ist nicht nur zu verstehen, dass ich notwendig das, vor dem ich fliehen will, ständig mit mir herumtragen muss, sondern auch, dass ich den Gegenstand meiner Flucht im Auge haben muss, um ihn zu fliehen, was bedeutet, dass die Angst, ein intentionales Augenmerk auf die Angst und eine Flucht vor der Angst zu beruhigenden Mythen in der Einheit ein und desselben Bewusstseins gegeben sein müssen. Kurz, ich fliehe, um nicht zu wissen, aber ich kann nicht umhin zu wissen, dass ich fliehe, und die Flucht vor der Angst ist nur ein Modus, sich der Angst bewusst zu werden. So kann sie eigentlich weder verborgen noch vermieden werden."(Jean Paul Sartre, Das Sein und das Nichts, s.82)
Insofern ich die Angst fliehe, nichtet mein Vermögen, mich gegenüber dem, was ich bin, dezentrieren zu können, die Angst und nichtet sich selbst, insofern ich die Angst bin, um sie zu fliehen. "Das ist das, was man Unaufrichtigkeit nennt. Es geht also nicht darum, die Angst aus dem Bewusstsein zu vertreiben oder sie als unbewusstes psychisches Phänomen zu konstituieren: sondern ich kann mich ganz einfach unaufrichtig in das Erfassen der Angst begegnen, die ich bin, und diese Unaufrichtigkeit, die das Nichts, das ich mir gegenüber bin, ausfüllen soll, impliziert gerade dieses Nichts, das durch sie aufgehobn wird."(Jean Paul Sartre, Das Sein und das Nichts, s.82)
"die Unaufrichtigkeit kommt nicht von außen zur menschlichen Realität. Man erleidet seine Unaufrichtigkeit nicht, insofern erleiden immer von außen kommt, man wird auch nicht von ihr infiziert, sie ist kein Zustand. Sondern das Bewusstsein affiziert sich selbst mit Unaufrichtigkeit. [...] Wer sich mit Unaufrichtigkeit affiziert, muss Bewusstsein (von) seiner Unaufrichtigkeit haben, weil j a das Sein des Bewusstseins Seinsbewusstsein ist. Ich muss also wenigstens darin aufrichtig sein, dass ich mir meiner Unaufrichtigkeit bewusst bin. Dann aber vernichtet sich dieses ganze psychische System. [...] Hier liegt ein verschwimmendes Phänomen vor, das nur in seiner eigenen Unterschiedenheit und durch sie existiert."(Jean Paul Sartre, Das Sein und das Nichts, s.82)
Jeder Mensch, der das Gefühl hat, dass sein Leben verschwommen, unklar, verworren oder schleierhaft ist, sollte sein Leben auf Aufrichtigkeit überprüfen. "Die einzige Ebene, auf der wir die Weigerung des Subjekts situieren können, ist die der Zensur. [...] [D]enn nur sie kann wissen, was sie verdrängt. [...] wir müssen zwangsläufig zugeben, dass die Zensur wählen kann und, um zu wählen, etwas sich vorstellen muss. [...] Das Bewusstsein (von) sich der Zensur muss Bewusstsein (davon) sein, Bewusstsein des zu verdrängenden Bewusstseins(z.B. Bewusstsein eines Triebs) zu sein, aber gerade, um nicht von ihm Bewusstsein zu sein."(Jean Paul Sartre, Das Sein und das Nichts, s.91) "Was muss der Mensch in seinem Sein sein, wenn er unaufrichtig sein können soll?"(Jean Paul Sartre, Das Sein und das Nichts, s.94)
"Die Faktizität[Tatbestand] muss behauptet werden als die Transzendenz[Jenseits] seiend, und die Transzendenz als die Faktizität seiend, so dass man in dem Augenblick, da man die eine erfasst, plötzlich der anderen konfrontiert sein kann."(Jean Paul Sartre, Das Sein und das Nichts, s.94) Das bedeutet nichts anderes, als dass man sein Vermögen und seine Freiheit benutzt, um sich selbst die Unwahrheit vorzumachen. "Man sieht ja, welchen Gebrauch die Unaufrichtigkeit von diesen Urteilen machen kann, die alle darauf abzielen, festzustellen, dass ich nicht das bin, was ich bin. Wenn ich nur das wäre, was ich bin, könnte ich zum Beispiel einen Vorwurf, den man mir macht, ernsthaft betrachten, mich gewissenhaft befragen, und ich wäre vielleicht gezwungen, seine Richtigkeit anzuerkennen. Aber gerade durch die Transzendenz entgehe ich allem, was ich bin. [...] Ich bin auf einer Ebene, wo mich kein Vorwurf treffen kann, denn das, was ich wirklich bin, ist meine Transzendenz."(Jean Paul Sartre, Das Sein und das Nichts, s.96)
"man befreit sich von sich gerade durch den Akt, durch den man sich zum Objekt für sich macht. Ständig das inventarisieren, was man ist, heißt sich ständig verleugnen und sich in eine Sphäre flüchten, wo man nichts weiter als ein reiner, freier Blick ist. Die Unaufrichtigkeit, sagten wir, hat zum Ziel, stellen wir fest, dass man dieselben Ausdrücke benutzen muss, um die Ehrlichkeit zu definieren. Was heißt das? [...] Die Unaufrichtigkeit ist nur möglich, weil sich die Ehrlichkeit bewusst ist, von Natur aus ihr Ziel zu verfehlen. [...] Also muss, damit Unaufrichtigkeit möglich sein soll, die Ehrlichkeit selbst unaufrichtig sein."(Jean Paul Sartre, Das Sein und das Nichts, s.106)
Sobald ich also danach strebe, ehrlich zu sein, bin ich unaufrichtig. Aufrichtigkeit ist nur möglich, wenn ich vor der Wahrheit nicht flüchte: Und die Wahrheit ist meine Freiheit. Sie hat nichts zu tun mit Werten. Diese Werte sind nur Forderungen, die es zu erfüllen gilt. Mit ihnen wird aber lediglich die Vorstellung von Werten verwirklicht, nicht die Werte selbst: Das Sein von uns wird nicht durch Werte erfüllt, sondern durch die Vorstellung, den Forderungen gerecht geworden zu sein. Es ist nur ein Spiel mit der Vorstellung dieser Werte. Deshalb ist gerade das Streben nach einem Wert unaufrichtig. Lediglich die bloße, reine Annahme und Erfahrung der tatsächlichen Freiheit ist aufrichtig.
Damit stimmt Sartres Untersuchung mit den Texten Ferrinis überein: Lasst uns einfach nach gar keinem Wert streben. Lasst uns keine Forderungen oder Bedingungen an uns selbst stellen. Lasst uns die Freiheit einfach so als das annehmen, was sie ist, rein und unverfälscht, ohne ihr Schranken vorzuschieben: Als das Erfassen des Nichts. Und das Erfassen des Nichts ist die Angst.
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Mittwoch, 28. April 2010
Dienstag, 27. April 2010
Selbstheit
"Das Merkmal der Selbstheit ist ja, dass der Mensch von dem, was er ist, immer getrennt ist durch die ganze Weite des Seins, das er nicht ist. Er bedeutet sich selbst von der anderen Seite der Welt, und er verinnerlicht sich vom Horizont her zu sich selbst hin zurückkehrend: der Mensch ist "ein Wesen der Ferne". In dieser Verinnerlichungsbewegung, die das ganze Sein durchdringt, taucht das Sein auf und organisiert sich als Welt, ohne dass es einen Vorrang der Bewegung vor der Welt oder der Welt vor der Bewegung gäbe. Aber dieses Erscheinen des Selbst jenseits der Welt, das heißt der Ganzheit des Realen, ist ein Auftauchen der "menschlichen Realität(Dasein)" im Nichts. Allein im Nichts kann man das Sein überschreiten, d.h. transzendieren. Gleichzeitig ist vom Gesichtspunkt des Jenseits der Welt das Sein als Welt organisiert, was einerseits bedeutet, dass das Dasein entsteht als Auftauchen des Seins im Nicht-sein, und andererseits, dass die Welt im Nichts aussteht. Die Angst ist die Entdeckung dieser zweifachen, fortwährenden Nichtung."(Sartre, Das Sein und das Nichts, S.53)
Nicht-Sein
Wenn jegliche Wahrheit, heilsam, wertvoll und sinnvoll, also die Positivität selbst ist, dann können wir diese Liebe ja erfahren, wenn wir einfach die Wahrheit erfahren. Ich bin nicht der einzige, der behauptet, die Wahrheit sei jegliche Positivität, auch Sartre hat das gesagt: "Jegliches Sein ist ausschließlich Positivität. Nur das Nicht-Sein ist negativ. Durch die menschliche Realität, kommt das Bewusstsein und der Verstand ins Spiel und durch den Menschen existiert das Sein des Nicht-Seins."(Nach Sartre, aus Das Sein und das Nichts)
Die Wahrheit ist einfach das unverfälschte Dasein ansich und wenn wir das Seinsphänomen dieses Daseins wahrnehmen, nehmen wir die Wahrheit war. Wie ist es möglich, etwas anderes, als die Wahrheit zu erfahren? An sich hört sich das ja eigentlich unmöglich oder paradox an, aber dadurch, dass man Phänomene im Menschen als Nicht-Sein erfahren kann, erfährt man mit der Erfahrung dieses Nicht-Seins auch nicht das, was wir als Wahrheit bezeichnen wollen. Was ist dieses Nicht-Sein?
Jede Frage ist eine Variante der Erwartung: "Ich erwarte eine Antwort von dem befragten Sein. Das heißt, auf der Grundlage einer der Frage vorausgehenden Vertrautheit mit dem Sein erwarte ich von diesem Sein eine Enthüllung seines Seins oder seiner Seinsweise. [...] Man sieht aber, dass es immer möglich ist, auf Fragen dieser Art mit "nichts" oder "niemand" oder "niemals" zu antworten. Also gebe ich in dem Augenblick, in dem ich frage [...], grundsätzlich die Möglichkeit einer negativen Antwort zu [...] das bedeutet, dass wir bereit sind, dem transzendenten Faktum der Nicht-Existenz eines solchen Verhaltens konfrontiert zu werden. [...] So ist die Frage eine zwischen zweierlei Nicht-Sein geschlagene Brücke: Nicht-Sein des Wissens im Menschen, Möglichkeit des Nicht-seins im transzendenten Sein. Schließlich impliziert die Frage die Existenz einer Wahrheit. [...] Kurz, die Wahrheit führt, als Differenzierung des Seins, ein drittes Nicht-Sein als für die Frage bestimmend ein: das begrenzende Nicht-sein. Dieses dreifache Nicht-sein bedingt jede Frage [...]"(Sartre, Das Sein und das Nichts, S.39-40)
Zunächst kann man sagen, dass das Nicht-Sein existiert, denn "Die Realität der Negation zerstören heißt außerdem die Realität der Antwort verschwinden lassen."(Sartre, Das Sein und das Nichts, S.39) Folglich existiert das Nicht-Sein und man kann zunächst sagen, dass das Nicht-sein die Negation des Seins ist. "Die permanente Möglichkeit des Nicht-seins außer uns und in uns bedingt unsere Frage über das Sein. Und es ist wieder das Nicht-sein, das die Frage eingrenzt: was das Sein sein wird, hebt sich notwendig vom Hintergrund dessen ab, wa es nicht ist. Was auch immer diese Antwort sein mag, sie kann so formuliert werden: "Das Sein ist dies und außerhalb dessen nichts.""(Sartre, Das Sein und das Nichts, S.40)
Das Sein an sich, also das An-sich-sein, ist volle Positivität und enthält in sich gar keine Negation. Wie kann es dann ein Sein des Nicht-Seins geben? Das ist doch paradox! Sicher ist zunächst, dass das Nicht-Sein in den Grenzen menschlicher Erwartung immer erscheint. "Die Welt entdeckt ihre Beispiele von Nicht-sein nur dem, der sie zuerst als Möglichkeiten gesetzt hat."(Sartre, Das Sein und das Nichts, S.41) Wenn der Mensch ein Sein als zerstörbar erfasst, dann setzt das ein begrenzendes Abtrennen eines Seins im Sein voraus, was, wie wir anlässlich der Wahrheit gesehen haben, schon Nichtung ist. Das bedeutet also, dass ich etwas nichte, wenn ich ein Sein im Sein abtrenne: Ich trenne ein Sein vom ganzen, dass heißt vom kompletten Dasein. Sobald ich also unterscheide, nichte ich, denn jegliche Unterscheidung zwischen Existenzen trennt diese voneinander. Das bedeutet aber trotzdem nicht, dass das Nicht-sein den Dingen durch das Negationsurteil geschieht: "vielmehr wird das Negationsurteil durch das Nicht-sein bedingt und erhalten."(Sartre, Das Sein und das Nichts, S.46)
"Die Negation ist Existenzverweigerung. [...] Durch sie wird ein Sein oder eine Seinsweise gesetzt und dann ins Nichts zurückgeworfen. [...] Kurz, wenn es überall Sein gibt, so ist nicht nur das Nichts, wie Bergson meint, unfassbar: vom Sein wird man niemals die Negation ableiten. Die notwendige Bedingung dafür, dass es möglich ist, nein zu sagen, ist, dass das Nicht-sein eine ständige Anwesenheit ist, in uns und außer uns, dass das Nichts das Sein heimsucht. Aber woher kommt das Nichts?"(Sartre, Das Sein und das Nichts, S.46-47)
Wir könnten sagen, dass jede Negation Bestimmung ist. Ohne Negation gibt es keine Festlegung der Wahrheit: alles wäre eine totale Unbestimmtheit. Für Heidegger ist jedes Bestimmen Überschreiten, da es Zurückweichen, Einnahme eines Gesichtspunkts voraussetzt.
"Es gibt zahlreiche Haltungen des menschlichen Daseins, die ein Verstehen des Nichts implizieren: Hass, Abwehr, Bedauern usw. Es gibt sogar für das Dasein eine permanente Möglichkeit, sich vor dem Nichts zu befinden und es als Phänomen zu entdecken: die Angst."(Sartre, Das Sein und das Nichts, S.53) Ist Hass ein Verstehen des Nichts? Ja, denn er entspringt der Angst, genauso wie Abwehr und Bedauern. Und die Angst ist das Nichts. Allerdings ist es fälschlich zu sagen, das Nichts sei. "Das Nichts ist nicht, es nichtet sich."(Sartre, Das Sein und das Nichts, S.53)
Es gilt herauszufinden, wie es uns gelingen kann, uns selbst zu belügen oder etwas anderes zu tun, damit wir die Wahrheit nicht wahrnehmen. Wieso können wir diese Positivität, die die Liebe ist, nicht erkennen?
Die Wahrheit ist einfach das unverfälschte Dasein ansich und wenn wir das Seinsphänomen dieses Daseins wahrnehmen, nehmen wir die Wahrheit war. Wie ist es möglich, etwas anderes, als die Wahrheit zu erfahren? An sich hört sich das ja eigentlich unmöglich oder paradox an, aber dadurch, dass man Phänomene im Menschen als Nicht-Sein erfahren kann, erfährt man mit der Erfahrung dieses Nicht-Seins auch nicht das, was wir als Wahrheit bezeichnen wollen. Was ist dieses Nicht-Sein?
Jede Frage ist eine Variante der Erwartung: "Ich erwarte eine Antwort von dem befragten Sein. Das heißt, auf der Grundlage einer der Frage vorausgehenden Vertrautheit mit dem Sein erwarte ich von diesem Sein eine Enthüllung seines Seins oder seiner Seinsweise. [...] Man sieht aber, dass es immer möglich ist, auf Fragen dieser Art mit "nichts" oder "niemand" oder "niemals" zu antworten. Also gebe ich in dem Augenblick, in dem ich frage [...], grundsätzlich die Möglichkeit einer negativen Antwort zu [...] das bedeutet, dass wir bereit sind, dem transzendenten Faktum der Nicht-Existenz eines solchen Verhaltens konfrontiert zu werden. [...] So ist die Frage eine zwischen zweierlei Nicht-Sein geschlagene Brücke: Nicht-Sein des Wissens im Menschen, Möglichkeit des Nicht-seins im transzendenten Sein. Schließlich impliziert die Frage die Existenz einer Wahrheit. [...] Kurz, die Wahrheit führt, als Differenzierung des Seins, ein drittes Nicht-Sein als für die Frage bestimmend ein: das begrenzende Nicht-sein. Dieses dreifache Nicht-sein bedingt jede Frage [...]"(Sartre, Das Sein und das Nichts, S.39-40)
Zunächst kann man sagen, dass das Nicht-Sein existiert, denn "Die Realität der Negation zerstören heißt außerdem die Realität der Antwort verschwinden lassen."(Sartre, Das Sein und das Nichts, S.39) Folglich existiert das Nicht-Sein und man kann zunächst sagen, dass das Nicht-sein die Negation des Seins ist. "Die permanente Möglichkeit des Nicht-seins außer uns und in uns bedingt unsere Frage über das Sein. Und es ist wieder das Nicht-sein, das die Frage eingrenzt: was das Sein sein wird, hebt sich notwendig vom Hintergrund dessen ab, wa es nicht ist. Was auch immer diese Antwort sein mag, sie kann so formuliert werden: "Das Sein ist dies und außerhalb dessen nichts.""(Sartre, Das Sein und das Nichts, S.40)
Das Sein an sich, also das An-sich-sein, ist volle Positivität und enthält in sich gar keine Negation. Wie kann es dann ein Sein des Nicht-Seins geben? Das ist doch paradox! Sicher ist zunächst, dass das Nicht-Sein in den Grenzen menschlicher Erwartung immer erscheint. "Die Welt entdeckt ihre Beispiele von Nicht-sein nur dem, der sie zuerst als Möglichkeiten gesetzt hat."(Sartre, Das Sein und das Nichts, S.41) Wenn der Mensch ein Sein als zerstörbar erfasst, dann setzt das ein begrenzendes Abtrennen eines Seins im Sein voraus, was, wie wir anlässlich der Wahrheit gesehen haben, schon Nichtung ist. Das bedeutet also, dass ich etwas nichte, wenn ich ein Sein im Sein abtrenne: Ich trenne ein Sein vom ganzen, dass heißt vom kompletten Dasein. Sobald ich also unterscheide, nichte ich, denn jegliche Unterscheidung zwischen Existenzen trennt diese voneinander. Das bedeutet aber trotzdem nicht, dass das Nicht-sein den Dingen durch das Negationsurteil geschieht: "vielmehr wird das Negationsurteil durch das Nicht-sein bedingt und erhalten."(Sartre, Das Sein und das Nichts, S.46)
"Die Negation ist Existenzverweigerung. [...] Durch sie wird ein Sein oder eine Seinsweise gesetzt und dann ins Nichts zurückgeworfen. [...] Kurz, wenn es überall Sein gibt, so ist nicht nur das Nichts, wie Bergson meint, unfassbar: vom Sein wird man niemals die Negation ableiten. Die notwendige Bedingung dafür, dass es möglich ist, nein zu sagen, ist, dass das Nicht-sein eine ständige Anwesenheit ist, in uns und außer uns, dass das Nichts das Sein heimsucht. Aber woher kommt das Nichts?"(Sartre, Das Sein und das Nichts, S.46-47)
Wir könnten sagen, dass jede Negation Bestimmung ist. Ohne Negation gibt es keine Festlegung der Wahrheit: alles wäre eine totale Unbestimmtheit. Für Heidegger ist jedes Bestimmen Überschreiten, da es Zurückweichen, Einnahme eines Gesichtspunkts voraussetzt.
"Es gibt zahlreiche Haltungen des menschlichen Daseins, die ein Verstehen des Nichts implizieren: Hass, Abwehr, Bedauern usw. Es gibt sogar für das Dasein eine permanente Möglichkeit, sich vor dem Nichts zu befinden und es als Phänomen zu entdecken: die Angst."(Sartre, Das Sein und das Nichts, S.53) Ist Hass ein Verstehen des Nichts? Ja, denn er entspringt der Angst, genauso wie Abwehr und Bedauern. Und die Angst ist das Nichts. Allerdings ist es fälschlich zu sagen, das Nichts sei. "Das Nichts ist nicht, es nichtet sich."(Sartre, Das Sein und das Nichts, S.53)
Es gilt herauszufinden, wie es uns gelingen kann, uns selbst zu belügen oder etwas anderes zu tun, damit wir die Wahrheit nicht wahrnehmen. Wieso können wir diese Positivität, die die Liebe ist, nicht erkennen?
Montag, 26. April 2010
Freiheit
Freiheit bedeutet, selbst, auf der Grundlage seiner Urteilskraft, jene Kraft zu benutzen, um von allen Möglichkeiten, die ich besitze, freiwillig eine zur Handlung zu wählen. Freiheit bedeutet für denjenigen, der sie besitzt, aber immer auch gleichzeitig Unsicherheit. Denn es ist für mich nicht sicher, ob meine Urteilskraft ausreicht, eine gute und wertvolle Handlung zu begehen, oder ob ich vielleicht einen Fehler mache. Bin ich fähig, mit dieser Freiheit umzugehen? Und was passiert, wenn ich versage, bin ich dann trotzdem noch liebenswert?
Die Tatsache dieser Freiheit verursacht Angst und Zweifel. Freiheit ist also immer auch Unsicherheit, und somit ist die Freiheit unsere Angst. Da wir unseren Verstand und damit auch unsere Freiheit nicht loswerden können, ist es auch nicht möglich, seine Angst zu verlieren. Aber trotzdem ist ein Gefühl der Sicherheit notwendig. Kein Mensch kommt ohne ein Gleichgewicht zwischen Herausforderung und Sicherheit aus. Und wie kann ich in dieser offensichtlichen Unsicherheit für Sicherheit sorgen? Angst benötigt Aufmerksamkeit. Wenn du das Bewusstsein von der Angst in dir reflektierst, dass heißt betrachtest, kannst du sie erkennen. Und wenn du deine Ängste erkennen kannst, kannst du sie durchdringen, Schritt für Schritt. Erkenntnisse und Wissen sorgen für ein Gefühl der Sicherheit: Denn sie sind es, auf dessen Grundlage wir richtig oder falsch handeln. Deshalb ist das intelligenteste überhaupt, seine eigene Unsicherheit, die sich aus der Freiheit begründet, zu erkennen, denn dann kann ich nach gewisser Zeit mit der Freiheit und dem relativen Gefühl der Sicherheit leben, das sich aus meinen Erkenntnissen und meinem Wissen begründet.
Gelingt es dir, deine Angst zu erkennen und ihr deine Aufmerksamkeit zu schenken? Es kann sehr gut sein, dass du deine Angst hier und jetzt durchdringen willst, und trotzdem keinen Zugang zu ihr findest. Dann ist das Bewusstsein von deiner Angst nicht zugänglich: Und da das Bewusstsein praktisch vom Verstand produziert wird, bedeutet das, dass dein Verstand nicht zugänglich ist, denn dein Verstand ist es, der das Bewusstsein der Angst betrachten könnte. Dein Verstand ist nicht zugänglich, wenn du unaufhörlich deine Gedanken reflektierst. Du erkennst deine Gedanken und erkennst deine Identität in deinen Gedanken, folglich identifizierst du dich mit ihnen. Wann ist das der Fall? Jeder Mensch, der sich wertlos fühlt, weil er in seiner Freiheit das Gefühl hat, versagt zu haben, identifiziert sich mit seinen Gedanken, weil er sich in der Beschränktheit und somit Wertlosigkeit seiner Urteilskraft als ganze Person als wertlos gleichsetzt. Jeder Mensch, der an Meinungen festhaltet, Vorurteile pflegt oder zu Überzeugungen gelangt ist, kann seine schrankenlose Freiheit in ihrer Realität nicht mehr erkennen und deshalb auch nicht mehr alle Möglichkeiten, die sich in ihr verbergen, erkennen, obgleich alle nach wie vor vorhanden sind. Sobald du deine gesamte Freiheit in ihrem realen Dasein erkennst und akzeptierst, und in dem erkennenden Bewusstsein deines Verstands diese Freiheit einfach bloß wahrnimmst, ist dein Verstand zugänglich, offen und frei. Wenn du dich aber mit bestimmten Gedanken identifizierst, kannst du alle anderen Aspekte deines Bewusstseins nicht mehr erkennen: Du hast die Wahrnehmung deiner Freiheit eingeschränkt. Und ebenso ist es mit den meisten Abwehrmechanismen.
Die Tatsache dieser Freiheit verursacht Angst und Zweifel. Freiheit ist also immer auch Unsicherheit, und somit ist die Freiheit unsere Angst. Da wir unseren Verstand und damit auch unsere Freiheit nicht loswerden können, ist es auch nicht möglich, seine Angst zu verlieren. Aber trotzdem ist ein Gefühl der Sicherheit notwendig. Kein Mensch kommt ohne ein Gleichgewicht zwischen Herausforderung und Sicherheit aus. Und wie kann ich in dieser offensichtlichen Unsicherheit für Sicherheit sorgen? Angst benötigt Aufmerksamkeit. Wenn du das Bewusstsein von der Angst in dir reflektierst, dass heißt betrachtest, kannst du sie erkennen. Und wenn du deine Ängste erkennen kannst, kannst du sie durchdringen, Schritt für Schritt. Erkenntnisse und Wissen sorgen für ein Gefühl der Sicherheit: Denn sie sind es, auf dessen Grundlage wir richtig oder falsch handeln. Deshalb ist das intelligenteste überhaupt, seine eigene Unsicherheit, die sich aus der Freiheit begründet, zu erkennen, denn dann kann ich nach gewisser Zeit mit der Freiheit und dem relativen Gefühl der Sicherheit leben, das sich aus meinen Erkenntnissen und meinem Wissen begründet.
Gelingt es dir, deine Angst zu erkennen und ihr deine Aufmerksamkeit zu schenken? Es kann sehr gut sein, dass du deine Angst hier und jetzt durchdringen willst, und trotzdem keinen Zugang zu ihr findest. Dann ist das Bewusstsein von deiner Angst nicht zugänglich: Und da das Bewusstsein praktisch vom Verstand produziert wird, bedeutet das, dass dein Verstand nicht zugänglich ist, denn dein Verstand ist es, der das Bewusstsein der Angst betrachten könnte. Dein Verstand ist nicht zugänglich, wenn du unaufhörlich deine Gedanken reflektierst. Du erkennst deine Gedanken und erkennst deine Identität in deinen Gedanken, folglich identifizierst du dich mit ihnen. Wann ist das der Fall? Jeder Mensch, der sich wertlos fühlt, weil er in seiner Freiheit das Gefühl hat, versagt zu haben, identifiziert sich mit seinen Gedanken, weil er sich in der Beschränktheit und somit Wertlosigkeit seiner Urteilskraft als ganze Person als wertlos gleichsetzt. Jeder Mensch, der an Meinungen festhaltet, Vorurteile pflegt oder zu Überzeugungen gelangt ist, kann seine schrankenlose Freiheit in ihrer Realität nicht mehr erkennen und deshalb auch nicht mehr alle Möglichkeiten, die sich in ihr verbergen, erkennen, obgleich alle nach wie vor vorhanden sind. Sobald du deine gesamte Freiheit in ihrem realen Dasein erkennst und akzeptierst, und in dem erkennenden Bewusstsein deines Verstands diese Freiheit einfach bloß wahrnimmst, ist dein Verstand zugänglich, offen und frei. Wenn du dich aber mit bestimmten Gedanken identifizierst, kannst du alle anderen Aspekte deines Bewusstseins nicht mehr erkennen: Du hast die Wahrnehmung deiner Freiheit eingeschränkt. Und ebenso ist es mit den meisten Abwehrmechanismen.
Das Unbewusste
Das Bewusstsein umfasst die gesamte Psyche: Das Unbewusste existiert folglich gar nicht. Wir können uns den Gegenständen in unserer Psyche nicht unbewusst sein. Eigentlich ist die Bezeichnung "Gegenstände im Bewusstsein" inkorrekt, denn das gesamte Bewusstsein setzt sich prinzipiell aus einzelnen Bewusstseinen von etwas zusammen: Folglich sind es Bewusstseine von Gegenständen, aber nicht Gegenstände in unserem Bewusstsein.
Dass es das Unbewusste also nicht gibt, bedeutet nicht, dass wir unsere Bewusstseine auch erkennen: Wir können sie haben, ohne sie zu erkennen. Das, was ich zuvor als das Unbewusste bezeichnet habe, sind nur alle Inhalte des Bewusstseins, die ich nicht erkannt habe. Wenn ich mir Teile meiner Psyche "bewusst" machen will, so bedeutet das etwas anderes: Es bedeutet, diese Teile des Bewusstseins zu erkennen. Wie mache ich das? Ich kann sie erkennen, indem ich mein eigenes Bewusstsein reflektiere: das heißt, ich betrachte nicht bloß äußere Objekte, sondern ich betrachte "Gegenstände" meines eigenen Bewusstseins: nennt sich Selbstreflexion. Wenn ich mein ganzes Bewusstsein erkennen kann, gelingt es mir, in meiner Freiheit Handlungen zu machen, die vom Gefühl mitbestimmt sind.
Dass es das Unbewusste also nicht gibt, bedeutet nicht, dass wir unsere Bewusstseine auch erkennen: Wir können sie haben, ohne sie zu erkennen. Das, was ich zuvor als das Unbewusste bezeichnet habe, sind nur alle Inhalte des Bewusstseins, die ich nicht erkannt habe. Wenn ich mir Teile meiner Psyche "bewusst" machen will, so bedeutet das etwas anderes: Es bedeutet, diese Teile des Bewusstseins zu erkennen. Wie mache ich das? Ich kann sie erkennen, indem ich mein eigenes Bewusstsein reflektiere: das heißt, ich betrachte nicht bloß äußere Objekte, sondern ich betrachte "Gegenstände" meines eigenen Bewusstseins: nennt sich Selbstreflexion. Wenn ich mein ganzes Bewusstsein erkennen kann, gelingt es mir, in meiner Freiheit Handlungen zu machen, die vom Gefühl mitbestimmt sind.
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